Klimarelevante Informationen
Im Rahmen eines Klimaschutzkonzepts wurden der derzeitige energetische Zustand des Gebäudebestandes und die Versorgungsstruktur der Stadt Norderstedt untersucht und die Potenziale für Energieeinsparungen und den Einsatz erneuerbarer Energien mit räumlichem Bezug ausgewiesen.
Insgesamt werden dem urbanen Raum 75 % der gesamten CO2-Emissionen zugeschrieben. Das Aktivieren der Potenziale bestimmter kommunaler Handlungsfelder – z. B. in der Raumordnung und kommunalen Entwicklungsplanung – stellt einen wesentlichen Baustein für das Erreichen der nationalen und europäischen Klimaschutzziele bis 2020 dar.
Hintergrund für die Erstellung des Klimaschutzkonzepts Zur Unterstützung der kommunalen Möglichkeiten, künftige Entwicklungen in Richtung Klimaschutz zu steuern, besteht ein wesentlicher Bedarf an detaillierten Informationen mit konkretem Raumbezug. Zudem fehlen häufig Bezüge zwischen dem Energiebedarf einerseits und der Energieversorgungsinfrastruktur andererseits. Darüber hinaus stellt die Anpassung und Integration von Maßnahmen zum Klimaschutz an bestehende Planungsinstrumente einen wichtigen Faktor für die Umsetzung von kommunalen Klimaschutzzielen dar. Durch die Gliederung der Stadtstruktur in Teilräume können die ermittelten Informationen direkt den quartiersbezogenen Plänen und politischen Maßnahmen zugeordnet werden. Ein weiterer wesentlicher Vorteil der Optimierung von Versorgungsinfrastrukturen und Bebauung ist in der Senkung von Standortkosten für Unternehmen und Bewohner zu sehen.
Vorgehen und Methodik
Eine geeignete Maßnahme zur Erzeugung siedlungsstruktureller Basisdaten ist die Typisierung des Siedlungsraumes nach Strukturtypen und der daran gekoppelten Ableitung von strukturtypenspezifischen Kennwerten (z. B. bauliche Dichte, Energiebedarf etc.). Dabei wird jede bebaute Flächeneinheit – in der Regel sind das Baublöcke – einem Stadtraumtypen zugeordnet. Der Stadtraumtypenansatz basiert auf der Annahme, dass die Teilflächen des Siedlungsraumes meist durch eine weitgehend homogene Baustruktur gekennzeichnet sind.
Eine Definition einer Stadtraumtypologie erfolgte im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes in Anpassung an die städtebauliche Struktur der Stadt Norderstedt. Die Stadtgebiete wurden nach Nutzungsart und auf Grundlage von Gebäudealtersklassen unterschieden. Die Stadtraumtypen für Norderstedt wurden zunächst nach Nutzung als
– Einfamilienhäuser
– Wohnungsbau
– Büro und Verwaltung
– Gewerbe und Industrie unterschieden.
Zudem erfolgte eine Unterteilung in die folgenden Baualtersklassen:
– bis 1953
– 1954-1973
– 1974-1993
– 1994-2009
– Neubau
Die Stadtraumtypen wurden für den gesamten Stadtraum beschrieben, verortet und kartiert. Als Ergebnis wurde ein Stadtraumtypenkatalog mit Referenzgebieten für den jeweiligen Stadtraumtyp sowie entsprechende Karten erstellt (s. rechte Seite). Jeder Stadtraumtyp verfügt über eine besondere städtebauliche und energetische Charakteristik. Der Struktur der Stadtraumtypen wurde entsprechend eine bestehende Gebäudetypologie zugeordnet, dargestellt anhand von Referenzgebäuden, um den spezifischen Energiebedarf zu ermitteln.
Entsprechend der ermittelten Nutzerstruktur und Gebäudealtersklasse ergeben sich daraus Heizwärme- und Warmwasserbedarf. Für die Implementierung weitreichender strategischer Ansätze der Stadtentwicklung reichen Betrachtungen auf Grundlage von Einzelgebäuden nicht aus. Die Stadtraumtypologie ergänzt die lokale Gebäudetypologie um folgende Punkte:
– Städtebauliche Dichte
– Struktur der Bebauung
– Geschossigkeit
– Erschließung
– Energieversorgung
Zur Analyse des Gebäudebestandes der Stadt Norderstedt und seiner zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten wurden die beschriebenen Parameter eruiert und mit Hilfe geographischer Methoden (GIS) dargestellt. Für die GIS gestützte Analyse dienten raumbezogenen Informationen, welche von der Stadt zur Verfügung gestellt wurden. In Abhängigkeit von verschiedenen untersuchten Technologien für eine alternative Energieversorgung wurden raumbasierte Parameter erhoben und in Geodaten übersetzt. Auf diese Weise ließen sich Flächen auskartieren, die alle notwendigen Hinweise für die Nutzung bestimmter Technologien (z. B. Erdwärme, Solarenergie) liefern.
Entwicklung von Zielen, Schwerpunkten und Handlungsempfehlungen
Ziel des Konzeptes für Norderstedt war es, die Stadtstruktur in Teilbereiche zu untergliedern, um ein genaues Bild der Möglichkeiten zur Einsparung von CO2-Emissionen im Gebäudesektor zu bekommen. Insgesamt wurden für die verschiedenen Teilräume die voraussichtlich entstehenden CO2-Emissionen durch den Gebäudebestand sowie durch geplante Neubebauungen in den nächsten Jahren ermittelt und mögliche Einsparpotenziale bis zum Jahr 2030 aufgezeigt. Ein weiterer wesentlicher Aspekt für das künftige Vorgehen der Stadtverwaltung war die Definition von Prioritäten und vorrangigen Handlungsfeldern für die langfristige Umsetzung der Klimaschutzziele, welche in Übereinstimmung mit den Zielen der Stadtentwicklung gebracht wurden. Die Gliederung in eine Stadtraumtypologie diente zudem als Basis für die Entwicklung zielgruppenspezifischer Handlungsempfehlungen.
Wesentlich für die Umsetzung von Maßnahmen zur Energieeinsparung ist die Identifikation von Handlungsfeldern mit direkten Einflussmöglichkeiten von Seiten der Stadtverwaltung. Hier wurden insbesondere Vorschläge für die kommunalen Handlungsfelder Bauleitplanung, Klimaberatung und Energieversorgung (Stadtwerke) ausgearbeitet.
Ergebnisse Die erstellten Prognosen weisen CO2-Einsparungen bis 2030, Investitionen sowie die Wirtschaftlichkeit der entsprechenden Maßnahmen aus. Für die verschiedenen Stadtraumtypen wurden Zielkennwerte formuliert. Zum Erreichen dieser Zielkennwerte wurden konkrete Handlungsempfehlungen gegeben, die sich durch die schon definierte Nutzungsstruktur der Stadtraumtypologie gut den verschiedenen Zielgruppen zuordnen lassen. Diese Empfehlungen dienen als Vorgaben zur Umsetzung von Maßnahmen und unterstützen die Stadt bei der zielgerichteten Mobilisierung der Potenziale. Die Stadt Norderstedt verfügt aufgrund der detaillierten Informationen über ausreichende Grundlagen für die strategische Planung und Steuerung von CO2-Einsparmaßnahmen in den verschiedenen Stadtteilen sowie für den gesamten Stadtbereich.