Zu schön, um wahr zu sein
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
haben Sie das auch gelesen? Mit dem bezahlbaren und klimaschonenden Wohnen und Bauen könnte es nämlich deutlich schneller vorangehen als bisher, hieß es da unmittelbar nach der Bundestagswahl in einer Mitteilung des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW. Denn wie das Presseteam im politischen Berlin erfahren haben wollte, bekommt Deutschland ein Ministerium für gutes Wohnen.
Endlich, werden sich da vielleicht schon viele gedacht haben. Endlich ein eigenes Bauministerium. So wie der IG BAU-Bundesvorsitzende Robert Feiger. Der hatte zu den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen der Ampel-Parteien von SPD, Grüne und FDP gesagt: „Seit 23 Jahren führt das Bauressort ein ‚Nomadenleben‘. Es war immer Anhängsel – beim Verkehr, bei der Umwelt, beim Inneren.“ Das müsse ein Ende haben.
Der GdW jedenfalls konnte gleich auch die Ziele des neuen Ministeriums benennen – nämlich „eine länderübergreifende, zentrale Koordinierung, um allen Menschen in Deutschland den Zugang zu bezahlbarem, klimafreundlichen und auf ihre Lebenssituation passenden Wohnraum zu ermöglichen“.
Natürlich meldete sich auch GdW-Präsident Axel Gedaschko zu Wort. „Nachdem das Thema Wohnen in den zurückliegenden Jahrzehnten sträflich vernachlässigt wurde“, freute er sich schon „auf die Zusammenarbeit mit einem endlich eigenständigen Ministerium für gutes Wohnen“. Und beglückwünschte – so ganz nebenbei – Ministerin Dr. Henriette Dörfler noch zu ihrem neuen Amt. Um dann sogleich noch seinen Wunschzettel für die Legislaturperiode zu formulieren: „Es ist überfällig, dass sich die neue Ministerin nun um die großen gesellschaftlichen Herausforderungen rund um die soziale Frage dieses Jahrzehnts kümmert: Wohnungsmangel, steigende Mieten, Klimaschutz, kommunale Abstimmungen und sinnvolle Bodenpolitik sowie Infrastruktur sind nur einige Themen, die jetzt angepackt werden müssen.“
Um auch die letzten Skeptiker vom Wahrheitsgehalt der Mitteilung zu überzeugen, gab der GdW außerdem noch schnell das Leitprinzip des neuen Ministeriums bekannt: „Nicht verwalten, sondern gestalten.“ Als aktiver Gestalter für gutes Wohnen in Deutschland wolle das Ministerium „gemeinsam mit den zugeordneten neuen Ermöglichungsbehörden zahlreiche Innovationen auf den Weg bringen: vom digitalen Bauantrag über den Bundesmietspiegel bis hin zur Direktförderung von Klimaschutz-Investitionen.“
Doch sind wir ehrlich. Das klang alles zu schön, um wahr zu sein. Und so wundert es nicht, dass es sich am Ende beim Ministerium für gutes Wohnen nur um einen geschickten „PR-Gag“ des GdW handelte – inklusive imaginärer Ministerin und einer eigenen Internetseite.
Dennoch: Geschmunzelt haben wir trotzdem. Soll noch mal einer sagen, Vertreter der Wohnungswirtschaft haben keinen Humor.
Ihr